Aktuelles
   Kaffeestraße 2 | 28779 Bremen-Blumenthal | Tel. 04 21 - 60 10 66 | Fax 04 21 - 600 71 39

Aktuelles

Risiko für Basalzellkarzinom bei „Outdoor-Workern“ verdoppelt
22. November 2020 - Dr. Uwe Schwichtenberg

Im Freien arbeitende Menschen, deren Haut über lange Zeit starker UV-Strahlung ausgesetzt ist, entwickeln häufiger einen hellen Hautkrebs als andere Menschen. Seit 2015 ist daher heller Hautkrebs in Deutschland als Berufskrankheit anerkannt. Bisher galt dies jedoch nur für das Plattenepithelkarzinom und nicht für das viel häufigere Basalzellkarzinom. Neue Daten aus einer großen deutschen Multicenterstudie zeigen nun, dass „Outdoor-Worker“ ein doppelt so hohes Risiko haben, ein Basalzellkarzinom zu entwickeln. In Zukunft könnte diese Form des hellen Hautkrebses daher – so die Einschätzung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) – als eine Berufskrankheit anerkannt werden.

Menschen, die überwiegend im Freien arbeiten, wie beispielsweise in der Landwirtschaft, im Bauwesen, im Straßen- und Tiefbau, im Gartenbau, bei der Straßen- und Fahrzeugreinigung oder als Sicherheitspersonal, setzen ihre Haut über die Jahre einer hohen UV-Strahlenbelastung aus. Von dieser weiß man, dass sie das größte Risiko für die Ausbildung von hellem Hautkrebs ist. Jedes Jahr erkranken in Deutschland nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts 230.000 Menschen neu an nicht-melanozytären Hautkrebsformen, wie heller Hautkrebs auch bezeichnet wird. Der helle Hautkrebs tritt meist in einem höheren Alter auf; Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen. 

 Seit 2015 sind in Deutschland bestimmte Frühformen des hellen Hautkrebses, sogenannte aktinische Keratosen, und Plattenepithelkarzinome bei langjährig im Freien Beschäftigten als Berufskrankheit anerkannt. „Inzwischen werden jedes Jahr über 8000 Verdachtsfälle von beruflichem Hautkrebs bei Versicherten der Gesetzlichen Unfallversicherung gemeldet, und ein Großteil wird anerkannt“, sagt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena und Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. Die Anerkennung als Berufskrankheit ist für die Betroffenen wichtig, da damit eine medizinische Versorgung zu Lasten der Unfallversicherung und gegebenenfalls auch eine Rentenzahlung verbunden sind. 

 Nicht berücksichtigt wurden bisher jedoch sogenannte Basalzellkarzinome, die häufigste Form des hellen Hautkrebses. Drei Viertel der nicht-melanozytären Hautkrebsformen sind Basalzellkarzinome. Dieser Tumor hat sehr unterschiedliche Erscheinungsformen und zeigt sich im Gesicht, auf der Kopfhaut, an Hals und Nase, am Dekolleté, an Armen, Beinen oder Rumpf. Dort bilden sich hautfarbene bis rötliche knotige Tumore, die einen perlschnurartigen Randsaum haben. Geweitete Blutgefäße schimmern rötlich durch die Haut und es können kraterförmige Einsenkungen sichtbar sein. Basalzellkarzinome bilden nur selten Metastasen, also Tochtergeschwülste, aus. Sie sind also selten tödlich. Allerdings kann der Tumor in das umliegende Gewebe einwachsen, dadurch Organe gefährden und die Lebensqualität stark beeinträchtigen.

 Lange schon vermuten Expertinnen und Experten, dass diese Tumoren ebenfalls durch intensive und langjährige Sonnenlichtexposition entstehen. Es fehlten aber bislang belastbare Daten, um eine Anerkennung als Berufskrankheit zu erlangen. Eine Forschergruppe um die Dresdener Dermatologin Professor Dr. med. Andrea Bauer hat nun in einer Multicenterstudie untersucht, in welchem Ausmaß sich eine beruflich bedingte UV-Strahlungsexposition auf das Risiko, an einem Basalzellkarzinom zu erkranken, auswirkt. Professor Bauer, die stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie der DDG ist, wollte zudem herausfinden, ob der Lichtempfindlichkeitstyp, die Stelle des Tumors und der feingewebliche Typ des Hautkrebses eine Rolle für das Risiko spielen. 

 Acht Studienzentren beteiligten sich. In die Studie eingeschlossen wurden 643 Patienten mit einem Basalzellkarzinom an einer durch den Beruf bedingten sonnenbelichteten Hautstelle und eine gleichgroße Kontrollgruppe. 

Die Analyse der Daten ergab, dass das Risiko, ein Basalzellkarzinom zu entwickeln, für die „Outdoor Worker“ doppelt so hoch ist, wie für Menschen, die nicht im Freien arbeiten. Und dies unabhängig von der Tumorlokalisation, dem histologischen Subtyp und dem Hauttyp des Patienten. „Damit sind wichtige Voraussetzungen gegeben, um eine Anerkennung als Berufskrankheit auf den Weg zu bringen“, so Bauer. 

 „Alle, die unter freiem Himmel arbeiten, sollten ganz besonders auf guten UV-Lichtschutz durch entsprechende Kleidung und Sonnenschutzmittel achten – und das dann natürlich auch bei Freizeitaktivitäten im Freien“, ergänzt Elsner. Auch das alle zwei Jahre von der gesetzlichen Krankenversicherung für über 35-Jährige angebotene Hautkrebsscreening sollten „Outdoor-Worker“ unbedingt wahrnehmen, empfiehlt der Dermatologe.

 Quelle: Auszüge aus einer Pressemeldung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)

Weitere News-Beiträge

2020
22. Oktober 2020 Kassen bezahlen Balneophototherapie... |mehr|
22. September 2020 Kinder und Jugendliche zwischen 2 und 17 Jahren mit Alopecia areata für Studie gesucht... |mehr|
20. August 2020 Aktuelle Studien zum Thema Haarausfall... |mehr|
4. August 2020 Praktisches Vorgehen in der Haarsprechstunde und bei der Haartransplantation... |mehr|
20. Juli 2020 Diagnostik und Therapie von vernarbendem Haarausfall... |mehr|
20. Juni 2020 Sonnenschutz statt Sonnenbrand... |mehr|
20. Mai 2020 Hautkrebsmonat Mai... |mehr|
22. März 2020 Europaweite Umfrage: Neurodermitispatienten zahlen kräftig drauf... |mehr|
19. März 2020 Praxisbetrieb in der Coronaepidemie... |mehr|
2. März 2020 Dr. Schwichtenberg im TV bei Buten & Binnen... |mehr|
24. Februar 2020 Klinische Studie zur Behandlung der androgenetischen Alopezie bei Frauen... |mehr|
20. Januar 2020 Akne – mehr als ein paar Pickel in der Pubertät... |mehr|
Archiv
2019 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2019 anzeigen
2018 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2018 anzeigen
2017 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2017 anzeigen
2016 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2016 anzeigen
2015 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2015 anzeigen
2014 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2014 anzeigen
2013 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2013 anzeigen
2012 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2012 anzeigen
2011 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2011 anzeigen
2010 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2010 anzeigen
2009 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2009 anzeigen
2008 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2008 anzeigen
2007 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2007 anzeigen
2006 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2006 anzeigen
2005 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2005 anzeigen
2004 Headlines der News-Beiträge des Jahres 2004 anzeigen