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Angst vor Corona-Ansteckung führt zu verspäteten Hautkrebsdiagnosen
18. April 2021 - Dr. Uwe Schwichtenberg
In Pandemiezeiten ist die Angst vor Ansteckung mit Corona groß, so dass selbst bei besorgniserregenden Anlässen oder Früherkennungsuntersuchungen der Gang zur Hautärztin oder zum Hautarzt abgesagt oder verschoben wird. Die Folgen vor allem für Hautkrebspatientinnen und -patienten können dramatisch sein, wenn die Diagnose verspätet gestellt wird. Anhand aktueller Studien erläutern Experten der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft e.V. (DDG), welche Auswirkungen die Pandemie auf die Versorgung von Hautkrebspatientinnen und -patienten hat.

Obwohl Arztbesuche in Corona-bedingten Lockdownzeiten erlaubt sind, sagen viele Menschen aus Angst vor einer Ansteckung Termine ab oder verschieben sie. „Patientinnen und Patienten mit Hautveränderungen haben in der Zeit des ersten Lockdowns die Praxen und Kliniken gemieden und dadurch die Anzahl der Hautkrebsdiagnosen gedrückt“, sagt Professor Dr. med. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg. 

Zahlreiche Studien beschreiben diese Entwicklung und ihre Auswirkung. Die in Cancers 2021 veröffentlichte retrospektive Studie von L. Jakobs et al. verglich, wie viele Krebserkrankungen in Deutschland in der Zeit Januar bis Mai 2019 und Januar bis Mai 2020 diagnostiziert wurden. Insgesamt wurden die Daten von über 100.000 Patientinnen und Patienten aus 1660 Praxen ausgewertet. Ein Ergebnis ist, dass von allen Tumoren die Hautkrebsdiagnosen durch die COVID-19-Pandemie am stärksten betroffen waren. Die Diagnose von Hauttumoren sank im März 2020 um 25,6 Prozent und im April 2020 sogar um 42,9 Prozent in dermatologischen Praxen und um 19,6 Prozent im März 2020 und um 29,3 Prozent im April 2020 in Allgemeinarztpraxen. 

Ähnlich deutlich sind die im Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology (JEADV) publizierten Ergebnisse einer italienischen Forschergruppe um F. Ricci. Die vom pathologischen Referenzzentrum in Rom erfassten Zahlen zeigen, dass die Melanom-Inzidenzzahlen in den zwei Monaten vor dem Lockdown von 158 Melanomen auf 34 Melanome in der Zeit des ersten Lockdowns abfielen. Auch danach erholten sich die Inzidenzzahlen nur leicht, nämlich auf 45 in den folgenden zwei Monaten. 
Gleichzeitig war der Verlauf der Tumordicken interessant. Während vor dem Lockdown die durchschnittliche Tumordicke 0,88 mm betrug, sank sie unter dem Lockdown auf 0,66 mm ab und stieg nach dem Lockdown auf 1,96 mm an. „Diese Melanomzahlen zeigen eindrücklich, dass Patientinnen und Patienten unter dem Lockdown nur seltener den Hautarzt mit der Verdachtsdiagnose Hautkrebs aufsuchten. Zugleich wird deutlich, dass dieses ‚Warteverhalten‘ zu einem Anstieg der Tumordicken direkt nach dem Lockdown führte“, erklärt Enk. Die Konsequenz daraus sei, dass sich die Prognose der Erkrankten erheblich verschlechtere. 
In einer internationalen Umfrage der International Dermoscopy Society (IDS) unter Dermatologinnen und Dermatologen zeigte sich ein deutlicher Abfall der diagnostizierten Non-Melanoma-Skin-Cancer-Fälle, während das maligne Melanom praktisch in der gesamten Zeit überhaupt nicht diagnostiziert wurde. Die Gründe für das Absagen oder Aufschieben von Arztterminen liegen auf der Hand. Besonders zu Beginn der Pandemie waren große Teile der Bevölkerung verunsichert und hatten große Angst, sich bei einem Besuch in der Praxis anzustecken. Jetzt ist die Situation anders: Hygienekonzepte, medizinische Masken, Abstandsregeln und die steigende Zahl der gegen SARS-CoV-2-Geimpften machen den Arzttermin mit geringem Ansteckungsrisiko möglich, so der Heidelberger Dermatologe.

„Als Fachgesellschaft appellieren wir eindringlich an die Bevölkerung, bei Hautveränderungen nicht zu warten, sondern sich umgehend untersuchen zu lassen. Hautkrebs-Früherkennungsuntersuchung, aber auch Nachsorge sollten unbedingt wahrgenommen werden“, sagt Professor Dr. med. Peter Elsner, Direktor der Klinik für Hautkrankheiten am Universitätsklinikum Jena. Die DDG unterstützt ausdrücklich die Richtlinien der European Society for Medical Oncology (ESMO), die unter anderem den verstärkten Einsatz von Telemedizin bei Verdachtsdiagnosen eines Hautkrebses empfehlen. 

Quelle: Pressemeldung Deutsche Dermatologische Gesellschaft e.V. (DDG)

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