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Praktisches Vorgehen in der Haarsprechstunde und bei der Haartransplantation
4. August 2020 - Björn Meyer, Webmaster

Auf der digitalen Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie Anfang Juli 2020 (siehe unseren Bericht vom 20. Juli 2020) berichteten die Expertenratsmitglieder Dr. Andreas Finner aus Berlin (www.Trichomed.com) und Dr. Uwe Schwichtenberg aus Bremen (www.Derma-Nord.de) über die Organisation und die Besonderheiten einer Haarsprechstunde in der hautärztlichen Praxis. Dr. Finner ging zusätzlich auf die Möglichkeit einer Haartransplantation ein.

Dr. Finner wies eindrücklich darauf hin, wie stark Haarausfall die Lebensqualität der Betroffenen beeinträchtigen könne. Neben einer zielgerichteten Anamnese sollte in der ärztlichen Haarsprechstunde eine genaue Untersuchung erfolgen, bestehend aus Betrachtung, Kontrastkarte, Zupftest und vor allem der Trichoskopie (Nutzung eines speziellen Mikroskopes zur Untersuchung der Haare und der Kopfhaut). So könnten der diffuse Haarausfall, der anlagebedingte Haarausfall und der kreisrunde Haarausfall (Alopecia areata, AA) zuverlässig erkannt werden. Bei entzündlich-vernarbendem Haarausfall diene eine Biopsie, also die Entnahme einer kleinen Probe von der Kopfhaut zur Untersuchung unter dem Mikroskop, zur Bestätigung der Diagnose. Bei diffusem Effluvium wären gegebenenfalls Laboruntersuchungen erforderlich, ergänzte Dr. Finner. Mit modernen digitalen Trichoskopie- Geräten könne das Haarproblem gemeinsam mit den Betroffenen am Bildschirm besprochen werden, was vor allem eine realistische Zielsetzung und objektive Verlaufskontrollen ermögliche.

Zur Behandlung der androgenetischen Alopezie (AGA) verwies Dr. Finner auf die unter seiner Mitwirkung erstellte offizielle europäische S3- Leitlinie. Dort seien neben Minoxidil und Finasterid auch plättchenreiches Plasma (PRP) und eine Lichttherapie zur Stabilisierung des Haarstatus aufgeführt. Gegebenenfalls könne die Therapie durch sogenannte "Cosmeceuticals" ergänzt werden.

Bei fortgeschrittener AGA von Männern oder Frauen oder einer stabilen vernarbenden Alopezie könne nach der Leitlinie eine zusätzliche mikrochirurgische Haartransplantation eine deutliche, dauerhafte Verbesserung bewirken, betonte Dr. Finner. Zunächst werde in einer ärztlichen Voruntersuchung die Eignung für das Verfahren geprüft. Ein langfristiger Masterplan müsse jedoch auch ein eventuelles Fortschreiten der Alopezie berücksichtigen. "Es werden bis zu 2500 follikuläre Einheiten (FU) mit je 1-4 Haaren am Hinterkopf punktuell mit speziellen Mikropunches (FUE) oder aus einem schmalen Hautstreifen unter dem Mikroskop (FUT) gewonnen. Beide Entnahmemethoden haben individuelle Indikationen, eine Kombination erhöht die Ausbeute an Spenderhaar", fuhr Dr. Finner fort.

Die sichere Spenderzone muss beachtet werden und eine Reserve für spätere Nachbehandlungen bei Fortschreiten verbleiben. Für eine gute Anwuchsrate sollten die FU schonend entnommen, feucht in Nährlösungen aufbewahrt und zügig verpflanzt werden. Zum Abschluss erklärte Dr. Finner, wie entscheidend für ein naturgetreues Ergebnis die behutsame Schaffung der Pflanzkanälchen durch den Haarchirurgen persönlich sei, und zwar in richtiger Anordnung, Verteilung, Größe und Richtung. Der Haaransatz solle typgerecht und unregelmäßig, aber nicht zu niedrig platziert werden. In diese winzigen Pflanzkanäle werden dann die FU-Transplanate eingesetzt. Das Ergebnis ist nach 9-12 Monaten sichtbar.

Eine rechtzeitige, kombinierte Therapie könne den Haarausfall stabilisieren und teils verbessern. Die aktuelle Haarforschung ziele auf eine Regeneration von miniaturisierten Haaren mittels Zelltherapie sowie die Beeinflussung von Signalwegen, schloss Dr. Finner ab.

Dr. Schwichtenberg berichtete in einem Online Vortrag über die langjährigen Erfahrungen in seiner Haarsprechstunde, unter anderem über den Einsatz eines speziellen Gerätes zur Übersichtsphotographie (siehe Abbildung). Hiermit können neben der Trichoskopie zusätzlich hilfreiche Photos zur Verlaufskontrolle angefertigt werden.

Nachdem Prof. Tanew in seinem Vortrag bereits über das häufige gleichzeitige Vorkommen von vernarbendem Haarausfall und androgenetischer Alopezie hingewiesen hatte, berichtete Dr. Schwichtenberg über Mischbilder aus diffusem und anlagebedingtem Haarausfall. Hier sei eine genaue Befragung und Untersuchung der Betroffenen besonders wichtig.

Bei diffusem Haarausfall komme es zudem mitunter zu Missverständnissen zwischen den häufiger betroffenen Frauen und den behandelnden Ärztinnen oder Ärzten. Während aus Sicht der Patientinnen das Maß des Haarausfalls anhand der Fülle zum Beispiel des Pferdeschwanzes gemessen werde, interessiere den Arzt vor allem die Anzahl der Haarfollikel, also der Blick auf die Kopfhaut. In der akuten Phase eines diffusen Haarausfalls käme es zum Ausfall von langen Haaren, aber zunächst natürlich nur zum Nachwachsen von kurzen Haaren. Je länger und dicker die Haare sind, desto stärker trete dieses Phänomen in den Vordergrund, so Schwichtenberg. Wenn die betroffene Person also über einen Schwund von 50% der Haare (also des Haarvolumens) klagt, und der Therapeut sich über das Vorhandensein von nahezu 100% der Haare (in diesem Fall der Haarwurzeln) freut, so hätten beide Recht.

Zum Abschluss seines Vortrages wies Dr. Schwichtenberg auf das Haararzt-Suchportal www.TrichoCare.de hin. Dort könnten Personen mit Haarausfall eine auf das Thema Haare und Haarausfall spezialisierte Praxis finden.

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